Das Neueste

Muse: Simulation Theory (Albumkritik)

 

muse band 04

 

Muse: Simulation Theory (Warner Bros)

 

 

Vielleicht ist Matt Bellamy der größte Denker unserer Zeit. Schließlich hat er einen großen Teil von Muses Karriere damit verbracht, uns vor technologischen Verschwörungen zu warnen, deren Ziel die Weltherrschaft ist. Ja, die meisten von uns glaubten, er hätte zu viel Zeit an den äußersten Rändern von YouTube zugebracht, aber im Zeitalter von Cambridge Analytica erscheinen seine Ansichten plötzlich etwas weniger seltsam. Und das ist natürlich der Punkt, an dem er sich auf Muses achtem Album der gewöhnlichsten aller Rockstar-Beschwerden widmet, den Mühen des Lebens des Rockstars auf Tournee. In „Something Human“, einer teilweise akustischen Nummer mit Country-Einschlag, klagt er: “10,000 miles left on the road / 500 hours until I am home / I need something human.” Nein, Matt! Bring die Drohnen und die Roboter und die Alien Overlords zurück! Man kann aber vermutlich erkennen, warum er meinte, dass Muse eine Veränderung gut täte. Schließlich kann man wohl nicht unendlich viele wild bombastische Songs über die eigene pathologische Angst vor den Machtstrukturen einer künftigen Welt aufnehmen, ohne sich zu fragen, ob das ein passender Zeitvertreib für einen Erwachsenen ist. Simulation Theory wird als Muses Synthpop-Album (es ist keines) angepriesen, das stark von den 80ern inspiriert ist (das gilt für die Gestaltung des Covers, aber nicht für den Großteil der Musik). Neue Produzenten sind an Bord, unter ihnen Shellback und Timbaland, die die Aufgabe haben, ein neues Gesicht für Muse zu finden. Und in gewissem Umfang gelingt ihnen das auch. „Propaganda“ klingt, als würden Muse versuchen, Prince zu sein, was nicht ganz überzeugend ist, während „Get Up and Fight“ eine elegant zurückhaltende Strophe mit dem Refrain einer Power Ballade kombiniert.

 

Doch es sind noch immer die weniger poppigen Momente, die am aufregendsten sind: die kaskadierenden Arpeggios von „Blockades“, die wilden Power-Akkorden Platz machen. Oder „Algorithm“ mit seiner Synth-Basslinie, drängenden Streichern und Bellamy, der übertrieben dramatisch davon singt, wie “algorithms evolve / Push aside / Render us obsolete / This means war.” Das ist der Moment, in dem man plötzlich das unerklärliche Bedürfnis verspürt, durch die Straßen zu marschieren und eine riesige Fahne zu schwenken, um die Nachbarn davor zu warnen, dass die Roboter kommen, um uns alle zu töten.

 

Selbstverständlich wäre es vorzuziehen, kämen keine Roboter, die uns töten wollen.

 

Doch um der Fröhlichkeit der Menschheit willen wollen wir hoffen, dass Bellamy den quälenden verdacht, dass dies wirklich passieren wird, nicht verliert. Das ist auf jeden falls besser als reihenweise Songs, die uns erzählen, wie einsam das Leben auf Tour ist, Babe.

 

 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Spass und Spiele Designed by Templateism.com Copyright © 2016 |

2013 - 2016 Spass und Spiele. Designbilder von Bim. Powered by Blogger.