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The National: I Am Easy to Find (Albumkritik)


The National band


The National: I Am Easy to Find (4AD)



Machen The National mit wenig viel oder wenig mit viel? Einerseits erfreuen sie mit einem üppigen, großartig entwickelnden Sound, bei dem jedes Element einen perfekten Platz findet und Texturen und Töne sich aneinander reiben, um einen oft überwältigenden Effekt zu kreieren. Andererseits bedeutet ihr Wunsch, nie offensichtlich und allzu kommerziell zu sein, dass sich im Gesamtwerk von The National wenige richtige Hits finden: sie haben ein musikalisches Universum geschaffen, das zwar reich an Melodien ist, aber eher mit Atmosphäre und Texturen überzeugt als mit großen Hooks.

Und das ist bei ihrem achten Album nicht anders, das reich an textlichen Anspielungen auf Künstler ist, deren Ruf auf großen Hooks basiert: der Titeltrack zitiert aus „Echos Myron“ von Guided By Voices. „Not in Kansas“ erwähnt “the first two Strokes” schildert “listening to REM again / Begin the Begin over and over”, ehe es „The Flowers of Guatemala“ zitiert (es interpoliert auch das weniger offensichtlich melodiöse „Thinking Fellers Union Local 282“). „Not in Kansas“ ist ein erstaunlicher, brillanter Song, einer, der zu versuchen scheint, eine kulturelle und geographische Heimat ausfindig zu machen. “Ohio’s in a downward spiral”, singt Matt Berninger, “Can’t go back there any more / Since alt-right opium went viral.” Er kann sich nur, genau wie Dorothy, sicher sein, dass er nicht in Kansas ist: “Where I am, I don’t know where.” Der wunderbare Eindruck wird durch eine schöne, klare, zurückhaltende Melodie und ein Arrangement, das die emotionale Intensität des Textes betont, verstärkt.

Das gesamte Album funktioniert nicht so sehr als eine Sammlung von Songs, sondern eher wie ein fortlaufendes atmosphärisches Stück: die schnelleren Tracks („Where Is Her Head“, „Rylan“) werden durch die ruhigen Momente gedämpft, die sie umgeben. Die Musik plätschert, ohne je zu insistieren. Die Texte, für die Berninger, seine Ehefrau Carin Besser und der Filmregisseur Mike Mills, der auch als Co-Produzent angeführt ist, verantwortlich zeichnen, sind sowohl voller Anspielungen als auch fundiert– in „The Pull of You“ wird die Dichotomie in diesem verzweifelten Hin und Her zwischen Engagement und Distanz in einem einzigen Couplet genau festgemacht: “I’m either at the bottom of a well / Or spinning into somebody’s outdoor glass furniture.” Dies ist ein Album, das kaum bis gar keine Takte enthält, die man spontan summen kann, aber es ist so fesselnd, dass man es sich sofort noch einmal anhören möchte.



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